Odds, Outs und Pot Odds


Poker ist natürlich vor allem ein instinktives Spiel, bei dem eine gute Menschenkenntnis gefragt ist und in der Regel auch Glück eine gewisse Rolle spielt. Daneben ist bei Poker allerdings auch ein weiterer Aspekt von großer Bedeutung, denn es basiert vornehmlich auf mathematischen Statistiken und Wahrscheinlichkeiten. Kein Wunder also, dass eine Vielzahl der besten Vertreter dieses weltberühmten Spiels heute auch das nötige mathematische Grundwissen vorzuweisen haben, das bei kritischen Entscheidungen und dem Ausgang bestimmter Situationen in jedem Fall gefordert ist.

Wenn Sie sich im Poker möglichst schnell einen Vorteil verschaffen möchen, kommen Sie um die wichtigsten Wahrscheinlichkeitsberechnungen nicht herum und machen sich am besten sofort mit ihnen vertraut. In unserer Poker-Wahrscheinlichkeits-Tabelle werden die Wahrscheinlichkeiten bestimmter Situationen oder Blätter in Prozenten aufgelistet.

Wenn Sie mit dem Spielen so lange warten, bis Sie zwei Asse als Startkarten erhalten, sollten Sie sich im Klaren sein, dass die Wahrscheinlichkeit einer solche Starthand bei nur 220:1 oder 0,45% liegt. Haben Sie es ausschließlich auf eine der fünf besten Startkombinationen abgesehen (A-A, K-K, Q-Q, J-J oder A-K (gleichfarbig)), beträgt dabei die Wahrscheinlichkeit nur 2,1%. Bei zwei gleichfarbigen Startkarten lohnt es sich außerdem zu wissen, dass mit diesen nur in 6,5% aller Fälle ein Flush gebildet werden kann.

Kennen Sie die Wahrscheinlichkeiten bestimmter Situationen in- und auswendig, hilft Ihnen dieses Wissen oft bei wichtigen Entscheidungen weiter. Prägen Sie sich die Prozentzahlen bestimmter, häufig auftretender Ereignisse also in Ruhe genau ein. Natürlich können die Statistiken auch jederzeit herausgefordert werden. Denken Sie aber daran, dass diese langfristig Ihrem Glück wohl eher überlegen sein werden.

Neben den Poker-Wahrscheinlichkeiten lohnt es sich ebenfalls, sich mit den sog. Outs vertraut zu machen. Gerade in einer hitzigen Spielphase sollten Sie immer wissen, welche Karten Ihnen zur Vervollständigung Ihres Blattes zur Verfügung stehen und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese aufgedeckt werden.
Da Poker immer mit einem Spiel aus 52 Karten gespielt wird, kann das Auftreten bestimmter Karten anhand der bereits vorliegenden, sichtbaren Karten vorausgesagt werden. Ein Texas Hold’em-Spieler mit einem A-K-Startblatt weiß, dass sechs der restlichen 50 Karten drei Könige und drei Asse sind. Versucht dieser Spieler, beim Flop ein hohes Paar zu bilden, stehen ihm dazu also noch sechs Karten zur Verfügung. Diese sechs Karten nennt man ‘Outs’. Neben den sechs ‘Outs’ weiß der Spieler außerdem, dass beim ‘Flop’, ‘Turn’ und ‘River’ fünf Karten aufgedeckt werden, und kann somit die Wahrscheinlichkeit für ein ‘High Pair’ berechnen.

Erscheinen beim Flop keine der gewünschten Karten, sind für den Spieler zu diesem Zeitpunkt fünf Karten sichtbar. Daraus folgt, dass die 47 Karten, die der Spieler nicht sehen kann, sechs ‘Outs’-Karten enthalten. Grob geschätzt liegen die Chancen auf einen hohen Zwilling also bei 8:1. Da aber noch zwei ‘Community Cards’ aufgedeckt werden (‘Turn’ und ‘River’), liegt die eigentliche Wahrscheinlichkeit bei 4:1.

Auf den ersten Blick erscheint diese Berechnung vielleicht etwas kompliziert, aber im Prinzip geht es ganz einfach. Die verfügbaren ‘Outs’ und Wahrscheinlichkeit, diese zu erhalten, können in der Regel ziemlich schnell berechnet werden. Beispiel: Sie besitzen ein 7-8-Startblatt; beim Flop werden 5-6-A aufgedeckt. Sie haben also einen sog. ‘Open-ended Straight Draw’ (eine unvollständige Straße, die an beiden Enden entweder mit einer 4 oder einer 9 komplettiert werden kann). Da ein Kartenspiel insgesamt vier “4er” sowie vier “9er” enthält, kann Ihr Blatt beim ‘Turn’ oder ‘River’ also mit acht ‘Outs’ gebildet werden.
Unter Outs & Odds finden Sie eine Tabelle, die die verschiedenen ‘Outs’ mit den jeweiligen Wahrscheinlichkeiten auflistet. Um Ihre Chancen auf ein gutes Blatt besser einschätzen zu können, raten wir Ihnen, sich mit diesem Link vertraut zu machen.

Da Sie natürlich nicht immer auf die Tabelle zurückgreifen können, lohnt es sich, die Berechnung der ‘Outs’ und ‘Odds’ zu erlernen. Die Wahrscheinlichkeit, nach dem Flop eine ‘Out’-Karte zu erhalten, kann anhand der folgenden Methode berechnet werden: Multiplizieren Sie die Anzahl der ‘Outs’ einfach mit ‘4’. Mit dieser Formel erhalten Sie zwar nicht den exakten Wert, aber zumindest einen guten, grob geschätzten Betrag, mit dem Sie Ihre Chancen besser einschätzen können. Bei dem oben genannten ‘Open-ended Straight Draw’ lägen Ihre Chancen, nach dem Flop einen der acht ‘Outs’ zu bekommen, also bei 32 (8x4). Wie Sie der Tabelle entnehmen können, beträgt der genaue Prozentsatz 31,5%. 32 ist also beinahe der genaue Wert.

Zweites Beispiel: Sie besitzen ein K-K-Startblatt und vermuten, dass Sie einen König-Drilling benötigen, um das Spiel zu gewinnen. Im Kartenspiel sind noch zwei weitere Könige enthalten. Anhand der oben genannten Formal multiplizieren Sie die Anzahl Ihrer ‘Outs’ mit ‘4’ und erhalten (2x4=) 8. Wieder zeigt ein Blick auf die Tabelle, dass diese grobe Berechnung sehr nah am korrekten Prozentsatz (8,4%) liegt.

Bleibt Ihnen nur noch die River-Karte, multiplizieren Sie einfach die Anzahl Ihrer ‘Outs’ mit ‘2’ und Sie erhalten einen geschätzten Wert, der Ihre Entscheidung erheblich erleichtern sollte.
Sobald Sie sich mit den Berechnungen der ‘Odds’ und ‘Outs’ vertraut gemacht haben, gilt es, diese auch in der Praxis anzuwenden, um zu entscheiden, ob sich ein Spiel lohnt und in welchem Umfang Einsätze platziert werden sollten.

Die sog. ‘Pot Odds’ helfen Ihnen oft dabei, festzulegen, wann Sie (ohne Rücksicht auf die Stärke Ihres Blattes) ‘callen’ sollten. Beispiel: Sie befinden sich in einem Turnier mit 3.000 / 6.000 Blinds. Sie sind mit der ‘Big Blind’ an der Reihe und zahlen deshalb 6.000 in den Pot. Ein Spieler in einer mittleren Position setzt seine gesamten Chips und geht mit 6.500 ‘All-in’. Der Spieler auf der ‘Small Blind’ nimmt einen ‘Call’ vor und zahlt die zusätzlichen 3.500 in den Pot. Nun sind Sie an der Reihe.

Der Pot enthält zu diesem Zeitpunkt 25.500 (einschließlich Ihrer ‘Big Blind’). Um weiterhin am Spiel teilzunehmen und den Flop zu erreichen, müssen Sie aufgrund der ‘Big Blind’ lediglich einen Einsatz von 500 setzen. Mit diesen zusätzlichen 500 erhalten sie somit eine Pot-Wahrscheinlichkeit von 50:1 und SOLLTEN aus diesem Grund UNBEDINGT ‘callen’ – egal, welche Karten Sie besitzen. Auch bei einem 2-7-Startblatt mit unterschiedlichen Farben stehen Ihre Chancen, der ‘Underdog’ zu sein, auf keinen Fall bei weniger als 10:1. Ein ‘Call’ verschafft Ihnen dagegen eine Gewinnchance von 50-1 und die ‘Pot Odds’ stehen mit 5-1 klar zu Ihren Gunsten! Schaffen Sie es, mit etwas Glück beim Flop sogar ein Full House zu bilden, ist es wahrscheinlich, dass Sie mit einem Einsatz von lächerlichen 500 einen Pot von mindestens 26.000 gewinnen.

Dieses Beispiel ist vielleicht etwas übertrieben, aber das Prinzip bleibt in jeder Spielsituation das gleiche: Bei ständigen positiven ‘Pot Odds’ gewinnen Sie am Ende auch Geld – vorausgesetzt, Sie spielen mit halbwegs guten Karten.

Zweites Beispiel: Die Turn-Card wurde gerade aufgedeckt und es befinden sich 12.000 Chips im Pot. Ihnen fehlt noch eine Karte, um einen Flush zu bilden. Mit diesen Fakten kann nun berechnet werden, wie Ihre Chancen stehen und ob es sich lohnt, im fortschreitenden Spiel auf einen Flush zu spekulieren.

Ihr Gegner setzt seine gesamten Chips und geht mit 2.000 Chips ‘All-in’. Es befinden sich somit 14.000 im Pot. Um bis zum River weiterzuspielen, müssten Sie weitere 2.000 in der Pot zahlen. Ihre Chancen stehen also bei 7:1. Bei einem ‘Flush Draw’ stehen Ihnen neun ‘Outs’ zur Verfügung. Gemäß der Outs and Odds-Tabelle beträgt die Wahrscheinlichkeit, eine dieser Karten zu erhalten, 19,6%. Grob geschätzt entspricht dies einer Wahrscheinlichkeit von 4:1. Bedenkt man dabei, dass Ihre Gewinnchancen bei 7:1 liegen, ist es klar, dass Sie unbedingt mitgehen sollten!

Bei einem gegnerischen ‘All-in’ und einer Chance von nur 2:1 empfiehlt es sich allerdings nicht, das Risiko einzugehen, wenn Sie wissen, dass die Runde nur zu 10% gewonnen werden kann. 2:1 für Ihren Einsatz und eine 9:1 Chance lassen sich im Poker (und jedem anderen Spiel!) mit Sicherheit nicht rechtfertigen!

Wenn Sie außerdem wissen, dass Ihr Gegner bereits eine sehr starke, unschlagbare Hand besitzt, sollten auch noch so gute ‘Pot Odds’ Sie nicht zu einem ‘Call’ verleiten. Gute Spieler versuchen in einem solchen Fall oft, den Einsatz genau um den richtigen Betrag zu erhöhen und Ihnen aufgrund Ihrer guten ‘Pot Odds’ einen ‘Call’ zu entlocken. Sie werden also wahrscheinlich hingehalten oder langsam durch ‘Slow-Play’ ausgespielt werden. Hören Sie deshalb unbedingt auf Ihren Pokerinstinkt!

Wie das Ablegen von schlechten Karten bei ungünstigen ‘Call Odds’ wirken sich auch die Berechnungen der ‘Outs’, ‘Odds’ und ‘Pot Odds’ und die aus diesem Grund getätigten ‘Calls’ allerdings langfristig gesehen zu Ihren Gunsten aus.

In manchen Turniersituationen würden Sie natürlich selbst bei positiven Odds kaum Ihre Chips riskieren (z.B. bei einem kleinen Stapel oder kurz vor der Pay-Out Struktur). In jeder anderen Spielsituation gilt es aber, sich an die Wahrscheinlichkeitsrechnungen zu halten und dementsprechend zu handeln.
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